| MUNDKREBS,
LICHEN UND AMALGAM
von
Mats Hanson, Dr.phil., Schweden
Von
einigen Metallen weiß man, dass sie karzinogen sind,
z.B. Chrom und Nickel, und andere haben eine Schutzwirkung
wie Zink, Magnesium und Selen. Angaben über Quecksilber
fehlen weitgehend. Es ist ganz sicher, dass Quecksilber
die DNA in der gleichen Weise schädigt wie Röntgenstrahlen,
aber das Metall ist solch ein starkes Gift, dass sogar die
Reparaturenzyme geschädigt werden. Ein Röntgenschaden
an der DNA ist schnell behoben, und oft treten Fehler auf,
die die Zelle dazu bringen, bösartig zu werden und
außer Kontrolle zu wachsen. Ein DNA-Schaden durch
Quecksilber jedoch wird nur schwach behoben und die Zelle
wird eher absterben als bösartig werden (Cantoni et
al., 1983). Die Unterschiede sind je-doch nicht eindeutig,
und es ist nicht möglich auszuschließen, dass
geringe Quecksilberwerte einen DNA-Schaden erzeugen, ohne
die Reparaturenzyme zu beeinflussen.
Eine
andere Situation ergibt sich, wenn Gewebe einen direkten
Kontakt mit Metallen in kon-zentrierter Form haben, z.B.
orthopädische Implantate (Chrom und/oder Nickel enthaltender
rostfreier Stahl), und wenn Metallteile in Versuchstiere
implantiert werden. In dieser Situation liegt sowohl ein
toxischer Effekt als auch eine Gewebeirritation vor, die
Immunzellen anzieht. Diese Zellen erzeugen freie Radikale
und Zytokine, die sowohl allgemeine Symptome hervorbringen
als auch zur Entartung des Gewebes um das Implantat herum
führen können. Anscheinend tritt das in der orthopädischen
Chirurgie häufig auf, wo etwas, das "aseptische
Lockerung" genannt wird, eintritt, das der Chirurg
noch einmal operieren muss. In der chirur-gischen Literatur
gibt es eine Diskussion darüber, ob das eine Krebsgefahr
ist.
Quecksilber
verdächtigt
Quecksilber
steht auf der "Verdachtsliste", karzinogen zu
sein, und eine Studie, die bei der Diskussion dieser Frage
oft angeführt wird, ist ein Bericht von Druckrey et
al. (1957). Sie injizierten 0,05 ml metallisches Quecksilber
zweimal innerhalb von 14 Tagen in die Bauchhöhle von
Ratten. Nach einiger Zeit zeigten sich bei den meisten Tieren
Vergiftungssymptome, die aber nach einigen Monaten verschwanden.
Krebs entwickelte sich bei 5 von 12 Tieren (Spindelzellsarkome)
22 Monate danach. Innerhalb eines jeden Tumors befand sich
ein Tropfen Quecksilber in einem Hohlraum von degradiertem
Gewebe. Krebs entwickelte sich nur an Stellen mit direktem
Kontakt zu dem Metall und nicht in Geweben, wo sich Quecksilber
in hohen Konzentrationen (z.B. in den Nieren) angesammelt
hatte.
Quecksilber
im Kiefergewebe
Eine
ähnliche Situation besteht in der Mundhöhle. Amalgam
mit 50 % Quecksilber hat oft direkten Kontakt mit der Wangenschleimhaut,
der Zunge und manchmal mit dem Zahn-fleischsaum. Es werden
manchmal Amalgamteilchen in den weichen und harten Geweben
vorgefunden, und es gibt sogar Fälle, wo kleine Quecksilbertropfen
vorlagen. Zusätzlich zu direkten toxischen Auswirkungen
liegen auch elektrochemische vor. Die exponierte Ober-fläche
des Metalls bildet die Kathode in einer Batterie und die
verdeckten Oberflächen die Anode. Die Batterie wird
durch die Differenz in der Sauerstoffverfügbarkeit
angetrieben. Die elektrochemische Auflösung der Metalle
findet an der Anodenoberfläche statt, wo auch Salz-säure
gebildet wird. An der Kathodenoberfläche wird jedoch
Natriumhydroxid gebildet. Ätznatron ist, wie jedermann
weiß, korrosiv. Das Hydroxid kann sich auch auf Goldoberflä-chen
bilden, besonders wenn sich darunter Amalgam befindet.
Leukoplakie
Entzündungen,
Geschwüre und Gewebeveränderungen im Mund haben
seit dem 19. Jahrhun-dert ihre Namen verändert, und
heute haben die gleichen Gewebeveränderungen in verschie-denen
Ländern unterschiedliche Namen. Frühe Bezeichungen
waren Stomatitis, Gingivitis usw., die noch manchmal verwendet
werden. In den USA ist eine übliche Diagnose die Leukoplakie
mit verschiedenen Zusatzbezeichnungen. Die Leukoplakie ist
gekennzeichnet durch ein allgemein glattes, dünnes,
weißes Aussehen. Die "Glätte" bezieht
sich sowohl auf die Farbe als auch auf das Aussehen. Wenn
die Veränderungen anders aussehen, werden sie "nicht-homogene
Leukoplakie" genannt und umfassen verschiedene Veränderungen,
die von Zahnärzten in anderen Ländern ganz unterschiedlich
bezeichnet werden können. In der Lite-ratur zeigt sich,
dass die Zahnärzte eines jeden Landes ziemlich ähnliche
diagnostische Krite-rien haben.
Die
Leukoplakie wird im allgemeinen als eine präkanzeröse
Veränderung betrachtet, und Schätzungen über
den Prozentsatz der bösartigen Entartungen variieren
von einigen wenigen % bis zu 34 % (Bouquot et al., 1986).
Diese letztere Studie scheint eine der umfangreichsten und
gründlichsten zu sein. Von 23.616 untersuchten Personen
in Minnesota, USA, hatten 3,38 % (798 Fälle) Veränderungen,
die wie folgt unterteilt waren: Leukoplakie 2,89 %; durch
Tabak bedingt 0,23; durch chronisches Wangenbeißen
bedingt 0,12; Lichen planus 0,11; Leuködem 0,03. Innerhalb
der Leukoplakie-Gruppe erschienen 44 Fälle von Krebs
oder schwerer Dysplasie (0,2 % aller Untersuchten). Die
Studie sollte repräsentativ für die USA und Westeuropa
sein, sogar wenn es wahrscheinlich ist, dass viele Leukoplasie-Fälle
in vielen europäischen Ländern anders klassifiziert
worden wären.
Pathologische
Veränderungen im Mund
Lain
& Caughron (1936) befanden sich unter den ersten, die
einen Zusammenhang zwischen Zahnfüllungen, insbesondere
Verbindungen von Gold und Amalgam, und pathologischen Veränderungen
im Mund bemerkten. Sie vermerkten:
"Mundschleimhaut. - Bei der Untersuchung der Mundschleimhaut
stellt man fest: (1) Erythem mit Stauung und Erblassen der
Mundschleimhaut und Auftreten von intermittierender oder
chronischer Reizung, (2) Wölbung und Sensitivierung
sowohl der hinteren als auch der vorderen Gruppen der Zungenpapillen,
(3) erodierte Bereiche und Ge-schwüre auf dem Zahnfleischsaum,
denudierte Flecken, Landkartenzunge, auf den rückwärti-gen
Bereichen der Zunge, sogar die schwereren Symptome sind
zeitweilig vorhanden und werden durch einen Nahrungswechsel
beeinflusst, und (4) Leukoplakie, eine gräuliche, leicht
hervorgetretene, präkanzeröse Läsion, die
üblicherweise aus einer langanhaltenden chroni-schen
Reizung hervorgeht, die eine Warnung der Natur sein kann,
bevor sich ernsthaftere pathologische Prozesse entwickeln.
Elektrochemische
Effekte
Elektrogalvanische
Läsionen auf der Mundschleimhaut entstehen meistens
angrenzend oder nahe dem positiven Metall, obwohl sie manchmal
auch anderweitig entstehen. ... Positive Fälle von
Elektrogalvanismus beginnen sofort, sich zu bessern, und
alle Läsionen außer Leukoplakie, die eine Gewebevergrößerung
ist, heilen sofort nach der Entfernung des Zahnersatzes
sowohl der positiven als auch der negativen Gruppe. Wenn
die Läsionen abgeheilt sind, sind neue Restaurationen
aus vollkommen homogenen Metallen eine Garantie gegen einen
Rückfall." (Lain & Caughron, 1936).
Es gibt
eine Anzahl von Fallberichten über Leukoplakie in direktem
Zusammenhang mit Ver-bindungen aus Metallen, üblicherweise
Gold und Amalgam. Leukoplakie ist eine ernsthafte Beschwerde,
wie Lain & Caughron herausstellten, aber es gibt Fälle,
in denen die Gewebever-änderungen nach der Entfernung
der Metalle abgeheilt sind (Schmitt 1955; Inovay & Bonoczy
1961; Lind et al. 1984).
Lichen
In Schweden
und Europa scheint die häufigste Diagnose Lichen zu
sein mit verschiedenen Unterbezeichnungen, z.B. netzförmig
(wie ein Netz aus weißen, verhärteten Striae),
atrophi-sche Form mit gerötetem, entzündetem Gewebe
und erodierter Form mit Geschwüren.
Einige
Mund- und Kieferärzte versuchen, zwischen Lichen in
Angrenzung an Metallfüllungen und ausgedehnteren Gewebeveränderungen
zu unterscheiden. Sie geben mit sehr geringer Be-weiskraft
an, dass die Ursachen verschieden seien (Metallallergie
bzw. unbekannte Gründe). Histologisch gibt es keinen
Unterschied. Alle lichenoiden Veränderungen sind durch
eine ver-härtete Oberfläche der Mundschleimhaut,
eine sich unter der Oberfläche befindende Zell-schicht
in verschiedenen Auflösungsstadien und eine massive
Anhäufung von Immunzellen, hauptsächlich T-Zellen
mit etwas Beimengung von anderen Zellen, gekennzeichnet.
Eine
Medline-Suche (Suchbegriffe: oraler Lichen; Krebs; 1980-2001)
zeigt, dass die breite Mehrheit der Veröffentlichungen
Lichen als eine potentielle präkanzeröse Läsion
betrachtet. Eine Anzahl von Studien haben Patienten mit
Lichen nachbetreut und herausgefunden, dass ein bis zu einigen
Prozent innerhalb von 10-15 Jahren bösartig werden
(Dunsche & Harle 2000). Lichen ist oft symptomfrei,
außer wenn sich Geschwüre entwickeln, und die
Beschwerden erwecken in dem Patienten keinen Argwohn. Der
Zahnarzt sollte, wenn er solche Veränderungen bemerkt,
eine Biopsie entnehmen, diese in ein pathologisches Labor
schicken und dann den Patienten regelmäßig betreuen
und untersuchen. Erfahrungen von schwedischen Amalgam-Patienten
zeigen an, dass man Lichen jahrelang haben kann, ohne dass
der Zahnarzt darauf reagiert. Die Prävalenz von Lichen
in der Bevölkerung beträgt 0,5-2,2 % (Setterfield
et al. 1985). 0,4 bis 12,5 % von diesen Fällen entwickeln
sich zu Krebs (Holmstrup et al. 1992; Lo Muzio et al. 1998).
Verschiedene andere Studien ziehen dieselbe Schlussfolgerung
und zeigen auf, dass etwa ein bis einige % in der europäischen
Bevölkerung bösartig werden. Der Spielraum in
den Ergebnissen wird wahrscheinlich durch die ziemlich geringe
Anzahl an Patienten in jeder Studie verursacht.
Zusammenhang
zwischen Lichen und Zahnfüllungen
Wenige
Studien versuchen, die Ursachen für die oralen Veränderungen
zu erklären. Studien aus Schweden stellen eine Ausnahme
dar, wo eine Verbindung zwischen restaurativen Zahn-materialien
und Lichen klar herausgestellt worden ist. Im Ausland scheinen
die Scheuklappen dicht zu sein. Wenn man die entsprechende
Literatur (ohne Scheuklappen) durchsucht, stößt
man sofort auf die Lokalisierung der Schäden. Direkte
Abdrücke von Amalgam (oder Gold auf Amalgam) in der
Mundschleimhaut mit äußerst schweren Veränderungen
im Kontaktbe-reich und Striae von Lichen, die von diesem
zentralen Bereich ausgehen, sind oft sichtbar (Silverman
et al., 1985). Als die Schwedische Vereinigung von Zahnamalgam-Patienten
(Tf) ihre Tätigkeit begann (1978), gab es ein Büchlein
mit dem Titel "Tumore in der Mundhöhle",
das 1966 von der Schwedischen Zahnarztvereinigung in Zusammenarbeit
mit der Krebsge-sellschaft veröffentlicht worden war.
Darin befanden sich "nette" Farbfotos von Lichen
und Krebs in direktem Kontakt mit hässlichen, korrodierten
Füllungen. Als unsere Patienten-Organisation um zusätzliche
Exemplare des Büchleins bat, wurde es plötzlich
"nach Konsul-tationen mit zahnärztlichen Experten"
zurückgezogen!
In dem
vorgenannten Büchlein wird eine "chronische Reizung
mechanischer oder chemischer Art" als ein Zustand,
der eine Krankheit begünstigt, bezeichnet. In einigen
anderen Studien wird Tabak und Alkoholgenuss/-missbrauch
als eine Assoziation für ein höheres Risiko und
in einigen Studien aus Südostasien das Betelkauen erwähnt.
Obst und Gemüse und anti-oxidative Vitamine sorgen
für einen Schutz, besonders Betacaroten hat eine positive
Wirkung gezeigt.
A. Larsson,
Professor für orale Pathologie in Malmö, Schweden,
schreibt, dass die Mehrzahl aller Lichen-Biopsien (10-15
% aller Biopsien, ca. 4500/Jahr) klinisch mit Metallfüllungen,
vornehmlich Amalgam, in Verbindung zu stehen scheinen. Weiterhin
sagt er, dass die For-schungsliteratur nicht besonders daran
interessiert zu sein scheint, Studien über die Beziehun-gen
von Kontakten mit Metallen in der Mundhöhle zu veröffentlichen
(Larsson, 1998). Jedoch gibt es eine Reihe von Schriften,
die die Auswirkungen von Amalgamentfernung auf lichenoide
Läsionen beschreiben. Lichen, oft geschwürig,
verschwindet schnell, wenn in direktem Kontakt mit der Läsion
stehendes Amalgam entfernt wird (James, 1987; Laine et al.,
1992; Pang & Freeman, 1995; Koch & Bahmer, 1995;
Schmart et al., 1995; Ibbotson et al., 1996). Patch-Tests
auf Quecksilberallergie sind bedeutungslos. Patienten mit
Amalgam-bezo-genem Lichen zeigen sehr viel öfter eine
positive Hautreaktion verglichen mit Lichen-Patien-ten ohne
direkten Kontakt zwischen Läsionen und Metallen im
Mund oder der allgemeinen Bevölkerung, aber wenigstens
die Hälfte von ihnen sind in jedem Falle negativ. Unabhängig
von der Reaktion auf den Patch-Test verschwindt Lichen in
Kontakt mit Amalgam, wenn die Metalle entfernt werden. Es
ist nicht möglich, im Voraus auf der Basis von Patch-Test-Ergebnissen
zu sagen, wer von der Amalgamentfernung profitieren würde
(Skoglund, 1994; Henriksson et al., 1995).
In der
zahnmedizinischen Literatur über Lichen und Amalgam
wird oft angegeben, dass Lichen in Kontakt mit Amalgam wahrscheinlich
durch toxische Auswirkungen/Allergie ver-ursacht wird, dass
aber Lichen von größerer Ausdehnung, selbst wenn
er in den Kontakt-bereich von Amalgam übergeht, wahrscheinlich
durch etwas anderes, Unbekanntes hervor-gerufen wird. Diese
Ansicht wird vermutlich durch die Tatsache gestützt,
dass Patienten mit Läsionen in Kontakt mit Metallen
häufiger eine positive Patch-Test-Reaktion zeigen und
dass die Kontaktläsionen nach der Metallentfernung
schnell abheilen, während ausgedehntere Ge-webeveränderungen
langsam oder gar nicht heilen. Niemand verwendet einen Gedanken
auf die Möglichkeit, dass Lichen überhaupt nicht
oder nur selten auftreten würde, wenn in der Zahnmedizin
keine toxischen Substanzen eingesetzt würden.
Auch
Lichen ohne Amalgamkontakt verschwindet oder bessert sich,
wenn Amalgam entfernt wird (Henriksson, 1995; Östman
et al., 1996; Bolewska, 1990), aber viel langsamer. Offensichtlich
muss die Wahl des Ersatzmaterials von äußerster
Bedeutung sein. Aus einigen Studien geht hervor, dass metallgestützte
Keramik ebenso schlecht ist wie Amalgam (Larsson & Warfvinge,
1995; Hensten-Pettersen, 1998). In einer Studie bestand
die Behandlung aus einem Polieren der Amalgamfüllungen,
etwas das überhaupt nicht half (Buser et al., 1992).
Ich telefonierte mit einigen "unserer Zahnärzte"
und sie bestätigen, dass auch Lichen ohne direkten
Amalgamkontakt sich langsam bessert, wenn Amalgam, Gold
plus Amalgam oder metallgestützte Keramik durch Materialien
ersetzt wird, die normalerweise keine Probleme bereiten
(einige Composite, Keramiken). Die heute verwendeten Goldlegierungen
enthalten Platin oder Palladium und sind im allgemeinen
keine verwendbaren Alternativen. Ein zusätz-licher
Faktor, der für die Aufnahme von Metallen von Bedeutung
sein könnte, ist von Larsson hervorgehoben worden:
die Verwendung von Natriumlaurylsulfat in fast allen Zahnpasten.
Laurylsulfat ist ein Reinigungsmittel (Seife), das die Sensitivität
des Mundgewebes bei Ver-suchstieren gegenüber Quecksilber
und Zinn, aber nicht Kupfer verstärkt (Larsson et al.,
1990). Quecksilber wird jedoch auch von einer intakten Mundschleimhaut
schnell aufgenom-men (Bolewska et al., 1990) und wird bei
Personen mit Amalgamfüllungen im Mundgewebe in hohen
Konzentrationen vorgefunden (Willershausen-Zönnchen
et al., 1992).
Provokation
des Immunsystems
Die
unterschiedlichen Reaktionen mit und ohne direkten Amalgamkontakt
sind leicht erklär-lich ohne eine Spekulation auf andere
Ursachen. Der Typus der Immunreaktion hängt von der
Quecksilberkonzentration, der individuellen Sensitivität
und dem Provokationsgrad des Immunsystems ab. Kinder, die
durch Quecksilber in Zahnungspulver oder Wurmmedikamen-ten
(Akrodynie) vergiftet wurden, zeigten bei Patch-Tests selten
eine positive Hautreaktion, obwohl die Krankheit im allgemeinen
als eine allergische Reaktion betrachtet wurde. Einige Kinder
hatten eine positive Patch-Test-Reaktion, wenn sie äußerst
stark erkrankt waren, aber einige Wochen später eine
negative. Einige Kinder erhielten durch einen Fehler eine
zusätz-liche Exposition durch verschlucktes Quecksilber
(Kalomel) und dann brachen die Hautbereiche mit einem zuerst
negativen Patch-Test plötzlich wieder auf (Fanconi,
1947). Wenn Amalgam, das in Kontakt mit der Mundschleimhaut
steht, entfernt wird, werden die extrem hohen Quecksilberwerte
in dem Kontaktbereich durch Auflösung schnell abnehmen.
Die weitere Verringerung der Quecksilberwerte in diesem
Bereich und allgemein im Mund folgt einer Exponentialkurve,
was bedeutet, dass niedrigere Metallwerte in diesen Gewebebe-reichen
noch für eine lange Zeit verbleiben und nur langsam
abnehmen werden. Diese Werte mögen sehr wohl ausreichend
sein, lokale Immunreaktionen in ausgedehnteren Läsionen
zu unterhalten.
Vermeidung
des Problems
Der
allgemeiner Eindruck aus der Literatur ist der, dass die
Autoren in jeder Weise versuchen, das Problem, dass Metalle,
insbesondere Amalgam, Schäden im Mundgewebe verursachen,
zu meiden, Schäden, die in einigen Fällen zu Krebs
führen. Jene, die das Problem erkennen, versuchen es
durch die Anwendung mehr oder weniger seltsamer Erklärungen
zu minimieren, die die gelegentliche Verbindung zu Amalgam
nur auf Kontaktläsionen begrenzen. Schwedische zahnmedizinische
Forscher scheinen sich offener darüber geäußert
zu haben. Jedoch gibt es auch in der schwedischen zahnmedizinischen
Literatur erstaunliche Spekulationen, dass Patienten mit
Lichen eine "zu Depressionen neigende Persönlichkeit"
seien und dass "wenn sie stressbedingten Lebensumständen
ausgesetzt sind, sich eine Depres-sion entwickeln könnte,
die jedoch als eine OLR (orale lichenoide Reaktion) maskiert
und somatisiert sei" (Östman et al., 1996).
Quecksilber
ist korrosiv
Mundgeschwüre
und Entzündungen gehören zu den klassischen Symptomen
der Quecksilber-vergiftung, ungeachtet von Amalgam in den
Zähnen. Direkter Kontakt mit hohen Werten an Quecksilberchlorid
wirkt direkt korrosiv. Quecksilberchlorid ist seit alten
Zeiten korrosives Sublimat genannt worden. Quecksilber ist
immunotoxisch und löst eine Immunentgleisung aus. Zellen
aus der menschlichen Mundschleimhaut, die in vitro HgCl2
in viel geringeren Werten als den im Mundgewebe vorhandenen
(von Amalgam) ausgesetzt werden, werden dazu angeregt, ein
Oberflächenprotein mit Namen ICAM-1 auszustoßen.
Das Protein zieht und aktiviert T-Zellen an, die wiederum
eine Anzahl Zytokine produzieren, die direkt entzün-dungsauslösend
und gewebsschädigend sind (Little et al., 2001). Hautzellen
desselben Typs reagieren nicht auf dieselbe Art und Weise.
Der Mechanismus reicht aus, um die Entstehung von Lichen
und anderen entzündlichen Veränderungen zu erklären,
auch in Bereichen der Mundschleimhaut ohne direkten Amalgamkontakt.
Der
Artikel wurde zuerst im TF-Bladet (Zeitschrift der Schwedischen
Vereinigung der Opfer von Zahnquecksilber) Nr. 3, 2001 veröffentlicht
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Übersetzung aus dem Englischen: Gesine Weinert
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